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Innovative Starthilfe: Rems-Murr-Klinikum baut Pflege-Apartments für Familien mit Frühchen

Pressefoto - Innovative Starthilfe - Rems-Murr-Klinikum baut Pflege-Apartments für Familien mit Frühchen
Auf dem Klinikdach entstehen mit Blick ins Zipfelbach-Biotop die Frühchen-Apartments in eingeschossiger Leichtbauweise. Von dort wird auf kürzestem Weg ein verglaster Übergang zur Kinder-Intensivstation (rechts) geschaffen. Getragen und umgesetzt wird das innovative Projekt vom Landkreis und seinen Kliniken, ermöglicht wird es dank zweier Stiftungen. Im Bild von links nach rechts: Klinik-Geschäftsführer André Mertel, Landrat Dr. Richard Sigel, Kinderklinik-Chefarzt Prof. Ralf Rauch, Robert Mayr und Michael von Winning (Vorstand der Eva Mayr-Stihl Stiftung) sowie Uwe Burkert (Vorstand der Kreissparkasse Waiblingen). © DG/ bebop media

Neues Angebot der Kinderklinik Winnenden fördert die Entwicklung von Frühgeborenen / „Gesunde Familien sind unsere Zukunft und müssen uns etwas wert sein“

Winnenden. Auch Babys, die sehr früh zur Welt kommen, sollen die Chance auf einen bestmöglichen Start ins Leben bekommen. Dafür sorgt zuverlässig das Team der Winnender Kinderklinik im Perinatalzentrum des höchsten Levels 1 ­– und setzt jetzt mit geschlossener Zustimmung des Aufsichtsrats der Rems-Murr-Kliniken noch eine Stufe drauf: Als Erweiterung der neonatologischen Intensivstation entstehen auf dem Dach des Rems-Murr-Klinikums bis 2028 spezielle Rooming-In-Apartments, in denen Eltern ihr Neugeborenes nicht nur besuchen, sondern rund um die Uhr zusammen mit den Fachteams betreuen. „Bonding“ nennen Baby-Experten das Knüpfen einer engen Bindung, um Körper und Psyche zu stabilisieren. Und natürlich lernen die Eltern vom ersten Tag an, wie sie ihr empfindliches Frühchen am besten pflegen und fördern.

„Was in Skandinavien bewährte Praxis ist und frühgeborene Babys fit fürs Leben macht, schaffen wir jetzt auch im Rems-Murr-Kreis. Darüber freue ich mich sehr, denn gesunde Familien sind unsere Zukunft und müssen uns etwas wert sein“, sagt Landrat Dr. Richard Sigel, Aufsichtsratsvorsitzender der Rems-Murr-Kliniken. „Das Winnender Projekt der entwicklungsfördernden familienzentrierten Pflege ist einzigartig in der Region und ergänzt unser breites Gesundheitsangebot für die Kleinsten – von der Geburtshilfe und Intensivversorgung im Klinikum bis zur Kinderarzt-Praxis in Backnang. Mein herzlicher Dank gilt dem ganzen Klinikteam für die engagierte Planung und Umsetzung dieses Pilotprojekts zur Starthilfe für Frühchen. Und beim Stichwort Starthilfe möchte ich insbesondere den beiden Waiblinger Stiftungen danken, ohne deren großzügige Unterstützung wir eine solche Zukunfts-Investition angesichts der aktuellen finanziellen Herausforderungen nicht zusätzlich stemmen könnten.“

Rund 3 Millionen Euro kostet es, die Pflege-Apartments samt Infrastruktur und Anbindung an die Neonatologie zu errichten. Die Eva Mayr-Stihl-Stiftung unterstützt den Bau mit 1,65 Millionen Euro, die Stiftung der Kreissparkasse fördert das Projekt mit weiteren 1,30 Millionen Euro.

Robert Mayr, Stifter und Vorstandsvorsitzender der Eva Mayr-Stihl Stiftung: „Es erfüllt mich mit großer Freude, die ausgezeichnete Versorgung von Frühgeborenen am Rems-Murr-Klinikum weiter unterstützen zu können. Die Unterbringung der Eltern in unmittelbarer Nähe zu ihren kleinen Kindern ermöglicht eine Pflege, die sich noch präziser an den individuellen Bedürfnissen jedes Frühchens orientiert und seine neurologische Entwicklung bestmöglich fördert. Immer wieder beeindruckt mich, welche Fortschritte die moderne Medizin heute möglich macht.“

Uwe Burkert, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Waiblingen, betont: „Die Stiftung der Kreissparkasse Waiblingen unterstützt seit vielen Jahren Projekte, die die Zukunft unseres Landkreises nachhaltig fördern. Mit unserer Investition in die neuen Rooming-In-Apartments der Rems-Murr-Kliniken setzen wir ein starkes Zeichen für die Unterstützung von Familien, die einen besonders herausfordernden Start ins Leben erleben. Wir sind stolz darauf, dass wir gemeinsam mit der Eva Mayr-Stihl-Stiftung einen weiteren bedeutenden Beitrag für die gesundheitliche Versorgung im Rems-Murr-Kreis leisten dürfen.“

Hartmut Holzwarth, Oberbürgermeister der Stadt Winnenden, freut sich: „Die Investition in die entwicklungsfördernde Pflege ist eine Stärkung der Kinderklinik, über die wir uns als Stadt nur freuen können. Unsere Kinderklinik genießt bereits jetzt ein Renommee über die Landkreisgrenzen hinaus.“

Wie sieht die künftige Rooming-in-Station aus, die 2028 bezugsfertig sein soll?

„Wir schlagen eine kleine Brücke von unserer Neonatologischen Intensivstation auf das Flachdach Richtung Zipfelbach und schließen dort zwei neue Eltern-Apartments mit Bad und Küchenzeile an“, berichtet Klinik-Geschäftsführer André Mertel, der so die Versorgung der Kleinsten zukunftsfähig ausbaut. „Mit dem Perinatalzentrum Level 1, in dem sich Geburtshilfe und Neonatologie Tür an Tür verzahnen, haben wir einen Meilenstein unserer Medizinkonzeption erreicht und stetig weitere Wegmarken hinzugefügt: Wir sind in Baden-Württemberg das einzige zertifizierte Perinatalzentrum nach Perizert, was uns exzellente Strukturen und hohe fachliche Kompetenz bescheinigt. Das Diagnostik- und Behandlungsspektrum der Neonatologie wird flankiert von einer der fünf deutschlandweit größten Frauenmilchbanken zur Versorgung bedürftiger Babys mit Spendermilch und von der Sozialmedizinischen Nachsorge ‚Bunter Kreis‘ für die Weiterbetreuung zuhause“, so Mertel. „Die entwicklungsfördernde Pflege ist nun das i-Tüpfelchen, denn wir bauen damit den Rahmen, damit Familien zusammenwachsen und sich gut entwickeln. Dafür danke ich unserem Landkreis als Träger, der Eva Mayr-Stihl-Stiftung, der Stiftung der Kreissparkasse Waiblingen und natürlich dem Neonatologie-Team um Prof. Ralf Rauch, Chefarzt unserer Kinderklinik.“

Sein interprofessionelles Team versorgt Frühgeborene ab der Grenze der Lebensfähigkeit, also etwa von der 23. Woche an. Dass speziell diese Babys vom neuen Betreuungskonzept profitieren und sich gesünder entwickeln, lässt sich belegen, sagt Prof. Rauch. Denn unter dem Namen NIDCAP (Newborn Individualized Developmental Care and Assessment Program) ist dieses Konzept seit 1984 weltweit erprobt. „Die Vorteile, die wir in Europa vor allem in schwedischen Kliniken sehen, werden künftig auch unsere Patienten spüren. Wir haben nach schwedischem Vorbild bereits die 1:1-Betreuung durch nur eine Pflegekraft pro Baby für besonders gefährdete Kinder etabliert und weitere Verbesserungen umgesetzt. Dadurch sind unsere medizinischen Ergebnisse bereits jetzt überdurchschnittlich und sollen nun noch besser werden.“

In Schweden überleben extreme Frühgeborene häufiger und mit weniger Einschränkungen als in allen anderen Ländern. Dies wird erreicht durch eine optimale Versorgung der Frühgeborenen mit Hochleistungsmedizin im Familienverbund von der Geburt bis zur Entlassung. „Die Eltern sind nicht nur für wenige Stunden zu Besuch auf Station, sondern können durch die dauerhafte Nähe eine enge und vertraute Beziehung zu ihrem Kind aufbauen, das oft bis zu vier Monate in der Klinik bleiben muss“, erläutert Prof. Rauch. Dabei werden die Kinder unmittelbar gestillt, was ihrem anfälligen Verdauungsapparat, ihrem Stoffwechsel und ihrer geistigen Entwicklung guttut. Die Kinder haben weniger Infektionen, sind kreislaufstabiler und brauchen weniger Beruhigungsmittel. Somit werden auch Belastungen für Frühgeborene minimiert, die durch invasive Eingriffe, Lärm oder grelles Licht entstehen.“

Weitere Vorteile der entwicklungsfördernden Pflege: Die Eltern werden engmaschig in Therapien eingebunden, können ihr Kind besser einschätzen und oft früher nach Hause mitnehmen. Familien werden nicht mehr auseinandergerissen, was sich günstig auf die Entwicklung der Geschwisterkinder und die bei Frühchen-Eltern erhöhte Scheidungsrate auswirken kann. Studien deuten auch auf langfristige Vorteile dieses Konzepts für die Entwicklung von Frühgeborenen hin, insbesondere für kognitive Fähigkeiten und Verhaltensanpassungen. „Die entwicklungsneurologischen Effekte bis hinein ins Kindesalter sind beeindruckend und durch Studien belegt“, sagt Prof. Rauch. „Dank dieser Form der Pflege überleben Frühgeborene signifikant häufiger ohne Behinderungen, und sie haben später signifikant weniger kognitive und mentale Einschränkungen oder Aufmerksamkeitsstörungen.“

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